Kulturbruch in der Kulturhalle

Nie zuvor war eine Demonstration in Rödermark größer und eindrucksvoller als die vom 14. Februar 2024. Rund 1200 Menschen hatten sich laut Polizeiangaben auf dem Rathausplatz in Ober-Roden sowie vor der Kulturhalle versammelt, um ihre Empörung über den sog. politischen Aschermittwoch der AFD auszudrücken. Das entsprach ungefähr dem Fünffachen der Besucherinnen und Besucher, die der Einladung der AFD gefolgt waren.

Hauptorganisatoren im Saal waren die Vorsitzenden des Orts- sowie des Kreisverbandes der AFD, der bekennende Trump-Fan Jochen Roos und Maximilian Müger, beide seit Januar auch Landtagsabgeordnete. Roos und Müger waren bzw. sind noch Aktivisten der „Jungen Alternative“ (JA), die vom Verfassungsschutz als „gesichert rechtsextreme Bestrebung“ eingestuft ist. Als Hauptredner hatten sie  den Bundestagsabgeordneten Matthias Helferich engagiert, der sich selbst als „freundliches Gesicht des NS“, also des Nationalsozialismus, und als „demokratischer Freisler“ (Vorsitzender des ehemaligen NS-Volksgerichtshofs) bezeichnet hat.

In die Rede von Herrn Helferich wurde an bestimmten Stellen ein Tusch und ein Ausschnitt aus dem Musik-Titel „L’Amour Toujour“ von Gigi D‘Agostino einge-spielt, zu dem in Diskotheken mit entsprechendem Publikum die Zeilen „Deutschland den Deutschen, Ausländer raus!“skandiert wird. So konnte er in der Kulturhalle unter dem Gelächter des Publikums ausrufen: „Ich bin ja froh, dass ihr alle den Liedtext vergessen habt.“ Und in diesem Sinne schmetterte Herr Helferich – begleitet von großem Beifall – in den Saal: „Wer es gut mit Deutschland meint, der fordert eben Remigration – millionenfache Remigration!“

Die Stadt Rödermark hat nun erst einmal die Notbremse gezogen: In ihrer Sitzung am 5. März beschloss die Stadtverordnetenversammlung gegen die Stimmen des AFD-Stadtverordneten Roos und eines FDP-Stadtverordneten, dass Veranstaltungen von politischen Parteien in der Kulturhalle nicht mehr stattfinden dürfen.

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