Briefe von Felix – Der andere Kommentar KW46

Leider gibt es dieses Jahr keine WM.

Hallo zusammen,

Es wäre so schön gewesen, nach Corona mal wieder ohne schlechtes Gefühl einem internationalen Sportevent beiwohnen zu können. Einfach ohne schlechtes Gewissen einen tollen Sport und eine Lieblingsmannschaft der eigenen Couleur feiern. Wie schön wäre das gewesen und was für eine Chance wäre es gewesen. Doch leider gibt es in diesem Jahr keine WM. 

Eine Chance den Sport reinzuwaschen von seinen Problemen. Ein Zeichen zu setzen gegen die Vorwürfe, der Fußball sei bis ins Mark korrupt und interessiere sich einzig für Profite. Es hätte so schön sein können, wäre die WM in einer jungen aufstrebenden lupenreinen Demokratie ausgetragen worden, in der die Menschenrechte etwas zählen. In einem Land, in dem keine Arbeitssklaven aus dem globalen Süden bis auf den Tod ausgebeutet werden. In der Männer und Frauen gleichberechtigt sind und Homosexuelle keine Angst um ihr Leben haben müssen. Ja, es hätte so schön sein können, die WM in einem Land stattfinden zu lassen, das keine Terrororganisationen querfinanziert und nebenbei lächelnd Energiehandel mit dem Westen betreibt. Ein säkulares Land hätte es sein können, wo es den Staat einen Scheiß angeht, anzugehen hat, woran seine Bürger glauben, und in dem Kirche und Staat strikt getrennt wären. 

War bis jetzt die Geschichte sportlicher internationaler Großereignisse ja alles andere als sauber gewesen, vor allem, was ihren Umgang mit autoritären Regimen angeht. Fand die WM 1970 in Mexiko und 1978 in Argentinien in beiden Fällen unter der Gnade von rechtsextremen und ultranationalistischen Militärjuntas statt, duckten sich die Verantwortlichen gekonnt weg und begannen ihr Märchen von der Öffnung durch Sport zu erzählen. Eine Chimäre, die sich über die Olympischen Sommerspiele 2008 in Peking, bis zur WM 2018 in Russland durchziehen sollte. So sei es eine vertane Chance,  die Spiele nicht in solchen Ländern abzuhalten, da so die Möglichkeit vergeben werde, dass Länder sich öffneten und mit dem Sport auch Demokratie und Menschenrechte einen Aufschwung erleben könnten. Dies ist nie eingetroffen und es wird auch nie eintreffen, da Regierungen wissen, wie sie solche Spiele gekonnt für ihre Propaganda einzusetzen haben. Auch dieses Jahr ist dies keine Ausnahme, auch wenn es gar keine WM gibt, zumindest nicht für mich. 

Und wenn trotz einer WM, die es gar nicht gibt, dumpf-blöd-patriotische Deutschlandfans sich in ihrem Bratwurstkopf nicht zurückhalten können, ihre Außenspiegel mit Deutschlandflaggen zu schmücken, sollten sie sich vielleicht zwischen den standardmäßigen 3 Weizen, oder in diesem Fall Glühwein, mal einen ganz kurzen Moment fragen, ob es das alles wert ist. Schließlich gibt es in diesem Jahr eigentlich ja gar keine WM.

Bleibt gesund und achtsam 
Viele Grüße 
Felix

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