Briefe von Felix – Der andere Kommentar KW37

80 % weniger Fleisch, Ernährungssicherheit und Klimaschutz vereint

Hallo zusammen,

Wie bereits im letzten Brief bereits kurz angesprochen, kann eine wahre Agrarwende nur gelingen, wenn das Problem der Fleischüberproduktion gelöst wird. Nicht nur ist es Fakt, dass 

allein in Deutschland 60% des Getreides als Futtermittel verwendet wird. Auch werden immer größere Importe an Soja benötigt, um die Massen an Fleisch in Deutschland industriell produzieren zu können. Dass aufgrund dieser Sojaproduktion in den Ländern des Globalen Südens mit verheerenden Umweltfolgen zu rechnen ist und den dortigen Ländern somit Fläche zur Ernährung der eigenen Bevölkerung entzogen, wird, ist nur ein Aspekt. Die Landwirtschaft ist verantwortlich für mehr als die Hälfte der weltweiten Methanemissionen. Eines Gases, das in etwa 25 Malklimaschädlicher ist als CO2. Will der Klimawandel also ernsthaft angegangen werden, ist eine radikale Verknappung der Tierproduktion vorzunehmen. 

Auch rein ökonomisch gesehen, ist eine Reduktion der Nutztierbestände die günstigste Variante, um dem Hunger von Millionen Menschen vorzubeugen. So wird etwa nicht nur billiges Fleisch für den deutschen Verbraucher produziert, sondern zudem durch die extrem billige, weil subventionierte Produktion in Deutschland andere Märkte, etwa in Afrika, durch Billigexporte ruiniert. Fernab davon, dass es ein sozialer Fortschritt wäre, mit Weizen, Mais und Soja in erster Linie die Hungernden zu sättigen, statt reichlich ineffizient Unmengen an Fleisch zu produzieren. Ein Umstand, der vor allem vor dem Hintergrund massiver Nahrungsvernichtung nochmal arger wirkt. 346 Millionen Tonnen Fleisch werden in Deutschland jährlich vernichtet, was einer Tierproduktion von ca. 45 Millionen Hühnern, 4 vier Millionen Schweinen und 200 000 Rindern entspricht.

Vor diesem Hintergrund sprechen die noch vorsichtigen Forderungen von einer Senkung der Tierhaltung um 50%. Will man jedoch die planetaren Grenzen der natürlichen Reproduktion einhalten, wären eigentlich 80% anzupeilen. Zum anderen ist aber auch klar, dass es immer Tierhaltung geben wird. So gibt es seit jeher große Weideflächen, welche für die Artenvielfalt von großer Bedeutung sind, deren Gras allerdings vom Menschen nur schwer verdaut, und dessen Boden von Wanderschuhen nur schwer aufgelockert werden kann. Auch in einer zukünftigen Landwirtschaft wird Tierhaltung geben müssen. Nur eben in geringerem Maß und sozial auf alle Länder und Klassen verteilt. Die Einhaltung ökologischer und haltungstechnischer Standards würde sich dann darüber hinaus, aufgrund der frei gewordenen Flächen, wie von selbst ergeben. 

Bleibt gesund und achtsam 
Viele Grüße 
Felix

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