Der Boden und die Laubbläser

„Der Boden ist eines der kostbarsten Güter der Menschheit. Er ermöglicht es Pflanzen, Tieren und Menschen, auf der Erdoberfläche zu leben“ (Europäische Bodencharta)

 In nur einem Liter Bodeninhalt leben mehr als 10 Milliarden Lebewesen, angefangen von den kleinsten Mikroorganismen, wie Bakterien und Einzeller, über Algen, Pilze und Milben, bis hin zu Insekten, Regenwürmern und sogar kleinen Säugetieren, wie z.B. unserem Maulwurf. Das sind deutlich mehr Lebewesen, als es Menschen auf der Erde gibt.  Diese Bodenlebewesen schließen den Nährstoffkreislauf in der Natur. Ohne sie könnte der Stoffkreislauf nicht funktionieren und es wäre kein Pflanzenwachstum möglich. 

 Fallen im Herbst die Blätter von den Bäumen, sind sie Unterschlupf und Nahrungsgrundlage für Kleinstlebewesen und Mikroorganismen im Boden und sollten aus diesem Grunde auf Beeten und unter Hecken liegen bleiben. Denn nur wenn diese Lebensgemeinschaft, die Nährstoffe aus den Blättern wieder herauslösen und als Humusschicht, z.B. den Stadtbäumen, erneut zur Verfügung stellen, können diese im nächsten Jahr neue Blätter bilden – Blätter, die C02 aus der Luft filtern, Blätter, die unsere Stadt durch ihre Verdunstungs-Wasser im Sommer um bis zu 4 Grad herunterkühlt. 

 Aber Herbstzeit ist auch Laubbläser-Zeit. Hausmeister und Gärtner werfen ihre Geräte an und blasen die Blätter zusammen. Enormer Lärm, Aufwirbelung von Feinstaub, Dreck bis zu pulverisiertem Hundekot ist die Folge. Zudem werden bei der Arbeit mit Laubbläsern und -saugern kleine Lebewesen praktisch geschreddert. Sie überleben den Transport durch den heftigen Luftstrom nicht, wir reden hier von über 220 Stundenkilometern. Und wo keine Insekten oder Würmer mehr sind, kann auch kein gesunder Boden entstehen. Unsere gesunden Böden, mit einer dicken Humusschicht, sind aber die wichtigsten Kohlenstoffspeicher unserer Erde und tragen somit wesentlich zum Klimaschutz bei. Sie dienen als Wasserspeicher, nehmen zu einem gewissen Grad Schadstoffe auf und dienen somit als Filter für unser sauberes Grundwasser. 

Unter einer wärmenden Laubschicht sind Regenwürmer stellenweise im Winter im Bereich des Oberbodens aktiv und gehen ihrer wertvollen Arbeit für uns Menschen nach. Mineralische Bodenbestandteile und organische Materialien der Laubschicht werden von den Regenwürmern als Nahrung aufgenommen und als besonders humusreiche Kothäufchen („Tonhumuskomplexe“) wieder ausgeschieden. So wird der Boden gelockert, belüftet, durchmischt und gedüngt. Fehlt die wärmende Schicht, wird das Leben für Nützlinge wie Regenwürmer und Co. schwerer. 

„Wer kann die Tatsache leugnen, dass die Menschheit letzten Endes Geschöpfe des Erdbodens sind?“ (Herbert Girardet)

Aus diesem Grunde sollten wir in Rödermark auf den Einsatz von Laubbläsern und Laubsaugern verzichten, um unser kostbares Gut, den Boden, zu schützen.

Zur Verfasserin:
Biologin B.Sc. Doris Lerch, die auf Platz 18 unserer Kommunalwahlliste kandidiert, hat den beiligenden Artikel verfasst, der sich mit dem jährlich wiederkehrenden Einsatz von sog. Laubbläsern im privaten und öffentlichen Bereich befasst. Die in dem Artikel wiedergegebenen Erkenntnisse sollen den öffentlichen und privaten Grundstückseigentümern die Anregung geben, den Einsatz solcher Gerätschaften im Sinne natürlicher Kreisläufe zu überdenken und künftig darauf zu verzichten.

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