Hidden Places in Rödermark: Quetschewäldsche und Blinder Bildstock

´s Quetschewäldsche ist ein dreieckiges Stück Grasland am westlichen Rand der Bebauung von Ober-Roden, das mit einer jährlich ansteigenden Zahl von Zwetschgenbäumen bestanden ist. Ihm den Charakter eines Waldes zuzusprechen, erscheint kühn. Aber es hat etwas Besonderes und regt zu mehrfachem Philosophieren an. Wenn das keine Verwunschenheit symbolisiert!?

Zu erreichen ist es einfach: Die Mainzer Straße entlang Richtung Urberach und die Straße unmittelbar vor dem Sportgelände der Turngemeinde nach links, vorbei am Tschonopler Platz, bis die Franz-Schubert-Straße nach links Richtung Donaustraße abbiegt. Genau an dieser Stelle sieht man schon die überdachte Tafel des Kerbvereins Ober-Roden e.V. mit dem alten Ober-Röder Wappen. Dort befindet sich auch ein Steintisch mit zwei Bänken, die von der Kolpingsfamilie aufgestellt wurden. Von dort aus kann man das „Wäldchen“ gut überblicken. 

Wer sich nicht verzählt, kommt auf 40 Zwetschgenbäume in unterschiedlicher Größe (Stand Juni 2020). Warum das alles? Ein Blick auf die Rückseite der Tafel und die 40 Messingschildchen bringt uns der Lösung näher. Seit dem Jahr 1993 pflanzt der Kerbverein immer an Kerbsamstag mindestens ein Zwetschgenbäumchen, entweder zur Erinnerung an verdiente Originale des Ober-Röder Ortslebens oder – was erheblich häufiger vorkommt – für im Jahr zuvor geborene Kinder von Mitgliedern des Kerbvereins, die dann auch sozusagen zu Paten der jeweiligen Bäumchen werden, auf diese aufpassen und immer schön gießen.

Das ist dann auch ein ökologischer Ausgleich für die Sitte ihrer Väter, jedes Jahr an Kerb eine Birke in freier Natur umzuhauen und auf dem Marktplatz als Kerbbaum aufzustellen. Alles was Recht ist …

Die Randlage verleiht dem Ort seinen besonderen Reiz. Über die Bebauung an der Franz-Schubert-Straße und die Donaustraße schaut man in östlicher Richtung auf den Rodgaudom, die Kirche St. Nazarius, vom Kerbvereinsschild hinüber auf das angrenzende Sportgelände der Turngemeinde und Richtung Süden und Westen in die Grüne Mitte Richtung Orwisch (Urberach) – was von hier aber nur zu erahnen ist. Man kann sich also seine Gedanken machen über die Abläufe der Zeiten, Kommen und Gehen von Mensch und Natur, den stetigen Wechsel der Dinge und des Lebens.

Und wer sich noch eine Zugabe leisten möchte, wendet sich gen Süden in die verlängerte Donaustraße zur Brücke über die Rodau, wo am anderen Ufer eine gar merkwürdige Skulptur aufscheint: Der Blinde Bildstock – die reinste Provokation! Geschaffen wurde diese „Zumutung“ von Thomas Ruhl als Teil des Skulpturenpfades beim RödermarkFestival’07. In der Tat hat dieser Gegenstand die Gemüter von Anfang an bewegt, weil es ein Bildstock ohne Bild ist, nur mit einer Aushöhlung in lichter Höhe, die geradezu nach einer Ausfüllung schreit.

So haben immer wieder Betrachter*innen die schreiende Leere ausgefüllt, zumeist mit einer Kerze, brennend oder auch nicht, einer Blume oder einem Sträußchen. Im Zeitpunkt der Erstellung dieses Textes trug die Provokation einen Mundschutz. Wie wird es wohl weitergehen?

R.K.

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