Am tiefsten Punkt der Stadt enden 110 Kilometer Kanalnetz
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Andere Liste beeindruckt von städtischer Kläranlage
Am „tiefsten Punkt“ von Rödermark – unmittelbar vor der Kläranlage im Osten von Ober-Roden – endet das 110 Kilometer lange Kanalnetz der Stadt. Der hier ankommende Kanal hat einen Durchmesser von drei Metern. Das erfuhren die rund 35 Teilnehmer einer Veranstaltung der Anderen Liste (AL), für die der städtische Eigenbetrieb die Tore der Rödermärker Abwasserreinigungsanlage geöffnet hatte.
Von dort aus muss das verschmutzte Abwasser der 28.000 Einwohner und der ansässigen Gewerbebetriebe zunächst einmal mit einem Schneckenpumpwerk sieben Meter in die Höhe gefördert werden, um in einer Rechenanlage von Grobstoffen befreit zu werden. An dieser Stelle beginnt ein komplexer und aufwändiger Reinigungsprozess, den Klärwärter Jürgen Braun den Besuchern detailliert und verständlich erläuterte.Das durch den Rechen vorgereinigte Wasser wird zunächst weiter in einen Sandfang und dann in einen Fettfang gefördert, bevor es der Vorklärung zugeführt wird, erläuterte Braun den interessierten Anwesenden der AL. Bei der Vorklärung setzen sich noch im Wasser befindliche Feststoffe am Boden des Beckens ab. In weiteren komplexen Reinigungsschritten werden dem Abwasser umwelt- und gesundheitsschädliche Stickstoffe, Nitrate und Phosphate mit unterschiedlichen Verfahrensschritten entzogen, bevor es in ein Nachklärbecken befördert wird, erklärte Braun. Erst dann darf das vollständig gesäuberte Nass in die Rodau abfließen. Soweit möglich, werden alle während des Klärungsprozesses anfallenden Schlämme und Fette genutzt, um in einem Faulturm zu Gas vergärt zu werden, das ein Blockheizkraftwerk antreibt. Die hier entstehende Energie wird wiederum für einzelne Reinigungsstufen und Pumpwerke benötigt, erfuhren die Teilnehmer der AL. Der anfallende Klärschlamm wird gepresst und in einer Müllverbrennungsanlage entsorgt.
Die Rödermärker Kläranlage wurde Anfang der 70er Jahre gebaut. Sie ist ausgelegt für 38.000 sogenannte „Einwohnerwerte“. Dazu zählen die 28.000 Einwohner der Stadt und die durch die das zusätzliche Gewerbe anfallenden Schmutzwasser. Die zwischendurch immer wieder erweiterte und modernisierte Anlage verarbeitet jährlich eine Menge von 3 Millionen Kubikmetern Abwasser und kann bis zu 290 Liter pro Sekunde aufnehmen und reinigen, erläuterten Eigenbetriebsleiter Wolfgang Mieth und sein Kollege Hans Gerhold. Bis ein Wassertropfen vollständig gereinigt ist, vergehen im Normalfall rund 17 Stunden. Bei starkem Regen kann sich die Verweildauer eines solchen Tropfens in der Kläranlage auf acht Stunden reduzieren.
Der Betrieb der Kläranlage kostet die Rödermärker Gebührenzahler pro Jahr rund 4 Millionen Euro, verriet Mieth, verwies aber auch zugleich auch darauf, dass dies gut angelegtes Geld sei, weil die Folgeschäden durch mangelhafte Abwasserreinigung deutlich höher seien. Zudem seien die Abwassergebühren trotz höherer gesetzlicher Auflagen und zahlreicher Investitionen seit zehn Jahren stabil. Erst vor gut zwei Jahren wurde der Kläranlage ein Frachtspeicher- und Pufferbecken vorgelagert, um der Wassermassen bei Starkregen Herr werden zu können. Als nächstes sind die Erneuerung des Faulturms zur Gasgewinnung und die des Blockheizkraftwerkes geplant, das seit 15 Jahren rund um die Uhr laufe und inzwischen mit dem dritten Motor arbeite. Dadurch erhoffen sich Mieth und Gerhold eine wesentlich bessere Energieausbeute und langfristige Einsparungen.
Bilder der Besichtigung finden sie hier

