Berichtsantrag: Kläranlage – Verbesserung der Reinigungsqualität
Beschlussvorschlag:
Wir bitten, den folgenden Berichtsantrag gem. § 12 Abs. 7 der Geschäftsordnung an den Magistrat zu verweisen. Die Berichterstattung des Magistrats soll für die Sitzung des Ausschusses für Bau, Umwelt, Sicherheit und Infrastruktur am 01.09.2010 vorgesehen werden.
Der Magistrat wird gebeten zu berichten:
- Welche Möglichkeiten bestehen, die Qualität des von der Rödermärker Kläranlage in die Rodau eingeleiteten Wasser wesentlich zu verbessern.
- Die Kosten für diese Maßnahmen darzustellen und die möglichen Auswirkungen auf die Abwassergebühren darzustellen.
Sachverhalt/Begründung:
Die Rodau ist ein etwa 28 km langer Bach im südhessischen Kreis Offenbach. Sie ist ein linker und südlicher Zufluss des Mains und ein Gewässer vom Typ Fließgewässer der Niederungen.
In den 1990er Jahren wurden die abgebauten Sperrwehre als Hochwasserschutz erneuert und 2003 mit der Renaturierung des Rodau Unterlaufs begonnen, 2009 wurde ein wesentlicher Teil des Bachlaufs zwischen Urberach und Ober-Roden renaturiert. Heute windet sich die Rodau zwischen Rodgau-Weiskirchen und Mühlheim am Main und hinter Urberach wieder in ihrem "alten" Bachbett. Seit der Renaturierung hat die Artenvielfalt zugenommen. Anstatt nur fünf sind nun zehn Fischarten beobachtet worden: unter anderen Gründling, Dreistachliger Stichling, Schmerle, Döbel, Hasel und Giebel. Vor allem die "Wasser-Land-Verzahnung" und die "Unterwasserlandschaft" wurden verbessert. An den Ufern beginnt sich eine naturnahe Ufervegetation zu entwickeln.
Trotzdem stufte das Hessische Landesamt für Umwelt und Geologie in Wiesbaden die Rodau 2009 gemeinsam mit der Bieber zu den "am stärksten verschmutzten Gewässern in Hessen" ein. So führe der Bach einen extrem hohen Anteil von geklärtem Wasser. Die Gewässergüteklasse entspräche der Stufe III bis IV (sehr stark verschmutzt). Dabei gehe es weniger um die tatsächliche Qualität des Wassers, sondern um das Verhältnis von natürlichem Bachwasser zu geklärtem Wasser. Kleinkrebse oder kleine Schnecken fänden sich, so das Landesamt, nur in eingeschränkter Zahl in der Rodau. Für Kieselalgen seien die Lebensbedingungen ebenfalls eher ungünstig.
Anhand der Gewässergüteklasse wird der Belastungszustand von Fließgewässern mit organisch abbaubarem Material bemessen.
Ein großes Problem stellen die Phosphoreinträge in das Gewässer dar. Hohe Phosphoreinträge führen zu starkem Algenwachstum und verursachen Sauerstoffmangel im Wasser, der Fischen und anderen Lebewesen die Existenzgrundlage entzieht. Nach einhelliger Meinung von Gewässerexperten müssten mittlere und große Anlagen einen Durchschnittswert von 0,3 bis 0,5 Milligramm Phosphor pro Liter einhalten, um die Schädigung von Flüssen, Seen und Meeren einzudämmen.
Durch den Einbau von weiteren Filteranlagen in die Kläranlagen könnten die Phosphorwerte und andere Schadstoffe gesenkt werden.
Kosten für die kommunalen Betreiber liegen nach Schätzungen der Hessischen Landesregierung bei einem Euro pro Einwohner und Jahr. Nach Auffassung des Hessischen Umweltministeriums sollen die Betreiber von Kläranlagen „auf freiwilliger Basis durch Beratung in die Lage versetzt werden, Maßnahmen im Einzelfall und nach dem Grundsatz der Verhältnismäßigkeit zu prüfen“.